Pferde bestimmten schon ihr Leben, bevor sie laufen konnte. Heute begleitet Christin Barsig aus Dresden als Moderatorin die bewegendsten Momente auf den Rennbahnen.

Ihre Welt sind die Emotionen. Genauer gesagt: der Umgang mit den großen Momenten des Glücks und den bitteren Niederlagen. Die Dresdnerin Christin Barsig ist vor allem im Osten Deutschlands ein bekanntes Gesicht auf den Galopprennbahnen. Die 23-Jährige interviewt beispielsweise die Sieger direkt auf der Bahn mit dem Mikrofon. Dank der Live-Übertragung hören Tausende Zuschauer mit. Auch in Halle wird sie wieder als Moderatorin im Einsatz sein.
„Ich mag Halle. Die Rennbahn ist im Osten eine feste Größe und punktet vor allem mit dem Auktionsrennen. Für den Basissport ist Halle gut aufgestellt“, sagt die eloquente Sächsin, deren Leben eng mit dem Pferdesport verbunden ist.
„Ich hatte keine Wahl. Meine Mutter ist selbst Trainerin und nahm mich von Anfang an mit in den Stall. Andere Mädchen gehen zum Turnen oder ins Ballett. Für mich wurden die Pferde zum Pflichtprogramm“, erzählt sie.
Unglücklich war sie darüber allerdings nie. Die Leidenschaft für den Galoppsport schwingt in jedem Satz mit. Zumal die junge Frau selbst eine talentierte Reiterin ist und als Jockey durchaus hätte erfolgreich werden können. Im Jahr 2019 feierte sie auf Big Panther in Dortmund sogar einen Sieg.
Doch Christin Barsig wurde für eine Karriere als Jockey zu groß. Ihr Wachstum beendete diese Pläne. Dann kam die Corona-Pandemie und eröffnete ihr einen ganz neuen Weg.
„In der Corona-Zeit konnten Zuschauer bei Rennen nicht vor Ort sein. Dadurch wurde der Livestream immer wichtiger. Was man brauchte, waren Moderatoren“, erinnert sie sich.
Thorsten Castle, selbst ein bekannter Moderator und Auktionator, ermutigte sie schließlich dazu, sich vor Mikrofon und Kamera auszuprobieren. Barsig fuhr nach Köln, absolvierte dort einen Workshop für Sprech- und Formulierungsgrundlagen und hospitierte bei Renntagen in Leipzig und Halle.
Am 3. März 2024 hatte sie ihren ersten Moderationseinsatz in Dortmund. Seitdem wird sie regelmäßig für Renntage verpflichtet und überzeugt mit Schlagfertigkeit, Fachwissen und ihrer authentischen Art.
Zwischen 25.000 und 28.000 Kilometer legt sie dafür jedes Jahr mit dem Auto zurück.
„Der organisatorische Aufwand ist hoch. Das muss man gut planen, zumal auch Familie, Freunde und der Partner nicht zu kurz kommen dürfen“, sagt sie. Die Moderation betreibt sie als Kleingewerbe. Hauptberuflich arbeitet die Dresdnerin im Vertrieb einer Krankenkasse. Für ihr Hobby opfert sie vor allem Urlaubstage.
„Ich bin zufrieden. Aber über ein paar weitere Moderationstermine im Jahr würde ich mich schon freuen.“
Und natürlich über weitere Erfolge mit ihrem eigenen Pferd Vino Sauro. Bei der Galoppwoche in Bad Harzburg gewann ihr Wallach mit Enzo Crublet im Sattel das erste Rennen am Finaltag. Da durfte dann auch bei Christin Barsig einmal eine Träne der Freude fließen.
Text: Dirk Skrzypczak