Interessante Einblicke hinter die Kulissen der Stallungen auf der Galopprennbahn Halle (Saale).
Die Galopprennbahn zwischen Halle und Halle-Neustadt zieht nicht nur an den Renntagen, sondern auch zu vielen anderen Veranstaltungen die Besucher zu Tausenden auf die Passendorfer Wiesen. So ist die wunderschön gelegene Anlage, mit ihrer markanten Tribüne und dem insgesamt zwei Kilometer langen Geläuf, nicht nur Rennsportfreunden und -interessierten bestens bekannt. Doch schon weniger Leute wissen wohl, dass die Rennbahn auch über ein hochmodernes Rennpferde-Trainingszentrum mit Führanlage, Gast-Ställen, Scheunen und Werkstatt verfügt, in dem 20 Vollblüter optimale Lebens- und Trainingsbedingungen vorfinden.
Die Stallungen auf der Rennbahn Halle (Saale) wurden 1983, im damals in der ehemaligen DDR weit verbreiteten Typenbau „Kuhstall“ errichtet und danach zum Rennstall umfunktioniert. Obwohl der robuste Zweckbau in all den Jahren mehrere Saale-Hochwasser überstand, wurde er doch von diesen durchaus in Mitleidenschaft gezogen und das Jahrhunderthochwasser 2013 schließlich, führte endgültig zum Totalschaden.
Es dauerte ganze sechs Jahre, und bedurfte der Mittel aus dem Fluthilfeprogramm, um das Gelände und die Gebäude nach diesem verheerenden Hochwasser wieder denkmalgerecht sanieren zu können. Die dabei erbrachten Leistungen kann man wohl gar nicht hoch genug schätzen. Bei der Sanierung des Stalles zum Beispiel, blieb nur die äußere Hülle stehen – das gesamte Innenleben und die Pferdeboxen musste komplett erneuert werden. Doch seit 2019 erstrahlen Gebäude und Bahn nicht nur wieder im alten Glanz, der Stall bietet heute auch ein modernes und tierschutzgerechtes Umfeld für die 20 Vollblüter, die hier im Training sind.
Die Stallungen befinden sich im Besitz der Stadt Halle (Saale), die mit den Flutgeldern die Sanierung der gesamten Rennbahn unterstützt hat. Der Rennclub Halle hat das Nutzungsrecht an den Stallungen und verpachtet diese an den Trainer Jan Korpas, der hier täglich mit seinem Team die Rennpferde trainiert und versorgt. Wir treffen Jan Korpas vor Ort, und nehmen dankbar, sein Angebot an, uns einige kleine Blicke hinter die Kulissen „seines Reiches“ zu gewähren.
Und was es dort zu sehen gibt, beeindruckt wirklich nachhaltig. Die 36 Boxen der Stallungen sind mit je 13 Quadratmetern großzügig bemessen und zwei davon verfügen sogar über einen Paddock. Elektrisch betriebene, klappbare Fenster und eine ausgeklügelte Dachbelüftung sorgen für eine optimale Luftzirkulation und ein perfektes Stallklima – und das völlig unabhängig von der Jahreszeit. Das begeisterte sogar einen Trainer des renommierten Gestüts Röttgen bei Köln, der kürzlich zu Besuch und äußerst angetan von den großen Boxen und dem angenehmen Stallklima der Anlage war.
Betritt man den Rennstall, wird sofort die ruhige und stressfreie Atmosphäre spürbar. Die Pferde stehen entspannt in ihren Boxen und beobachten neugierig die Stallgasse. Ein leichtes Brummeln verrät dem Pferdekenner, dass es hier sicher immer mal wieder eine Möhre gibt, wenn jemand vorbeikommt.
Vor den Boxen liegt schon alles zur Abendfütterung bereit und der Duft von frischem Stroh und Heu erfüllt die Luft, wenn die großen Ballen von den beiden Pferdepflegern für die nächsten Fütterungen im Stall bereitgestellt werden. Und das sind nicht wenige. Die Vollblüter benötigen täglich immerhin sechs bis neun Kilogramm Heu – dazu kommen noch Mineralfutter, Hafer, Müsli und Rübenschnitzel.
Doch nicht nur die gute Ernährung sorgt bei den Rennpferden für Wohlbefinden. Ihnen steht auch ein eigenes Pferde-Solarium zur Verfügung, das nach dem Galopptraining für die richtige Entspannung sorgt. Zudem gibt es eine Führanlage, in der die Pferde vor und nach dem Training bewegt werden können. das beginnt in dieser Jahreszeit beginnt meist schon um 6 Uhr am Morgen. Dafür ist Sonntag Ruhetag – zumindest für die Pferde, die nicht an einem Rennen teilnehmen.
Außer den edlen Rennpferden haben in der Anlage auch fünf Stallkatzen ihr Zuhause. Sie sorgen dafür, dass der Stall mäusefrei bleibt. Doch die kleinen Jäger sind nicht nur nützlich, sondern tragen auch zur entspannten Stimmung im Stall bei. Zu dieser gehört zwingend auch der bequeme Westernsattel, der neben Rennsätteln und Trensen in der Sattelkammer hängt. Trainer Jan Korpas ist nämlich ein großer Mexiko-Fan und nutzt diesen besonderen Sattel nach getaner Arbeit gern für einen entspannenden Ritt.
Unbedingt erwähnt werden sollte aber auch noch eine Besonderheit des halleschen Rennpferde-Trainingszentrums. Es ist nämlich nicht überall selbstverständlich, dass alle Pferde täglich auf die Koppel kommen. In Halle können sie das – abwechselnd und in abgetrennten Bereichen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.
Richtig voll wird es im Stall, wenn Gastpferde, die an Renntagen anreisen, in die Anlage einziehen. Etwa 100 Gastboxen stehen dafür zur Verfügung, in denen sich die vierbeinigen Kurzzeitbesucher so richtig wohl fühlen können. Nicht zuletzt deshalb bietet der Stall von Jan Korpas nicht nur ein Zuhause für die edlen Rennpferde, sondern auch eine einladende Umgebung für alle, die die Faszination des Rennsports erleben möchten.
Umso schöner, dass im Dezember 2024 das Geläuf auf den Passendorfer Wiesen von Fachjournalisten und Moderatoren des Pferdesports zur „Rennbahn des Jahres“ gekürt wurde (siehe Seite 3). Ein Grund mehr, auf die Rennbahn in Halle stolz zu sein und am 10. Mai die Jockeys und ihre Pferde anzufeuern.
KIE/WEG