„Die Jury hat das Gesamtpaket gewürdigt“

Die Fachzeitschrift hat Halle zur Rennbahn des Jahres gewählt – für Initiator Klaus Göntzsche die richtige Wahl.

Das hatte es zuvor noch nie gegeben. Zum ersten Mal ist im Dezember 2024 mit Halle eine Rennbahn aus dem Osten Deutschlands von der Fachzeitschrift „Galopp intern“ zur Rennbahn des Jahres gekürt worden. Mit dem Initiator der Aktion, dem renommierten Journalisten Klaus Göntzsche aus Wuppertal, hat Dirk Skrzypczak gesprochen.

Herr Göntzsche, wer hat bei der Wahl abgestimmt?

Klaus Göntzsche: In der Jury saßen 17 Fachjournalisten aus Deutschland. Sie wählen beispielsweise die aus ihrer Sicht besten Pferde auf den verschiedenen Distanzen, aber auch Trainer, Besitzer und die Rennbahn des Jahres. Ich hatte auch für Halle gestimmt.

Halle hat eine kleine Rennbahn mit wenigen Rennen. Was macht sie besonders?

Da muss ich etwas ausholen. In Deutschland sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Rennbahnen geschlossen worden. Zudem sinkt der Bestand an Rennpferden. Dass in Halle Flutmittel eingesetzt worden sind, um die Bahn nach dem Hochwasser 2013 wieder herzurichten, ist eine große Leistung. Die Bahn ist in einem tollen Zustand. Und mit Jan Korpas als Nachfolger von Angelika Glodde hat Halle auch wieder einen eigenen Trainer. Das Gesamtpaket hat die Jury gewürdigt. Mich freut das, denn ich habe eine besondere Beziehung zu der Stadt.

Das müssen Sie uns jetzt näher erklären.

Ich bin steinalt (lacht) und seit 34 Jahren Geschäftsführer des Westdeutschen Verbandes der Sportjournalisten. In der Wendephase gab es Kontakte zu Regionalvereinen im Osten, speziell in Sachsen-Anhalt. Über den leider verstorbenen Horst Pohle kamen wir mehrfach nach Halle. Übrigens nicht nur zum Arbeiten. Wir haben einmal mit den Speerwerferinnen Silke Renk und Karen Forkel Fußball in der Halle gespielt. Ich stand im Tor. Karen Forkel hat mir von der Mittellinie den Ball in den Winkel gezimmert. Ich sah ihn erst, als er hinter mir einschlug. Das vergisst man nicht.

Halle veranstaltet nur drei Renntage in der Saison. Andreas Neugeboren spricht von wirtschaftlichen Zwängen. Man braucht Sponsoren. Und natürlich Pferde. Steckt der Galopprennsport in der schwersten Krise seit Jahrzehnten?

Wissen Sie, den Galopprennsport gibt es seit 204 Jahren. Es hat immer schwierige Zeiten gegeben, die Kriege etwa. Krisen miteinander zu vergleichen, halte ich für schwierig. Ja, die Situation ist problematisch. Weniger Besitzer, weniger Pferde, weniger Rennbahnen. Aber genau aus diesem Grunde hat Halle ja gute Chancen. Ein oder zwei Renntage mehr, das ist machbar.

Dem Rennsport haftet das Image an, ein Sport für die Elite zu sein, die gut Betuchten. Wie sehen Sie das?

Das ist Unsinn. Ich bin in Ascot bei London gewesen. Die Reichen und Schönen sind dort mittlerweile die Scheichs. Aber die Mehrzahl der Besucher sind das einfache Volk, die sich die Hucke vollsaufen. Natürlich gibt es auch die Damen mit Hüten. Aber die Rennen leben von den normalen Besuchern. Das ist auch bei uns so.

Sie haben „Galopp intern“ eingestellt. Wird es die Wahl noch geben?

Es gab mehrere Gründe, warum ich das gemacht habe. Ich bin jetzt 76, da muss ich den Themendruck für zwölf Ausgaben wirklich nicht mehr haben. Das Nachfolgeprojekt heißt „Die blauen Seiten“. Zwei ehemalige Kollegen arbeiten daran. Ich sperre mich jedenfalls nicht dagegen. So gesehen ist Halle aber die letzte Rennbahn des Jahres in der Ära von „Galopp intern“ gewesen.